Foto: Thomas Gothier

Warum Bonn? – Der Bass muss scheppern

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An einem Mittwochabend im Frühfrühling treffe ich mich in der allseitsbeliebten Bar Kilombo im
Münchner Westend mit der Band Warum Bonn?. Die Leute sitzen wieder draußen, laden ihren
Vitamin-D-Akku auf, die Atmosphäre ist entspannt – perfekt für ein Gespräch über Musik, Subkultur und die Frage, warum Bonn eigentlich mal Hauptstadt war. Jonas, der Gitarrist des Trios, musste sich leider für das Treffen entschuldigen, da er gerade einen neuen Club in München eröffnet – was man halt so macht. Dafür sind Fraenk (Vocals) und Dirk (Beat-Bass-Synth-Schrauber) in guter Plauderlaune und zeigen schnell, aus welchen Gegensätzen Warum Bonn? eigentlich besteht.

Die drei Musiker kennen sich über die Craftbeer-Szene: Fraenk arbeitete bei der Brauerei Tilmans, wo auch Jonas mitwirkte. Dirk betrieb seine eigene Craftbeer-Brauerei und so kannte man sich über
verschiedene Events. Man sprach hin und wieder über Musik. Irgendwann kamen Fraenk und Dirk
nach einem Craftbeer-Festival ins Gespräch und Fraenk erklärte hier seine Idee – dass er Bock auf eine eigene Band habe, sowas in Richtung DAF, ein Mix aus Punk und elektronischer Musik.

Die Idee zündete bei Dirk, der jahrelang europaweit als DJ in der Technoszene unterwegs war und
genau die elektronische Basis mitbrachte, die Fraenk suchte. Schon als kleines Kind faszinierte ihn
elektronische Musik. Als er in den 90ern erstmals Eurodance hörte, haute es ihn um. Noch mehr, als
er später ein Technomagazin las, das Eurodance als „Müll“ bezeichnete und ihm die „richtige“ Mucke aus der Szene aufzeigte.

Die beiden trafen sich dann erstmal in der Küche von Fraenks damaliger Freundin. Dirk brachte schon Beats und Basslines mit, und die beiden stellten fest, dass da was Ordentliches zusammenwachsen könnte. Dann stellte sich die Frage, wer eigentlich die Vocals übernehmen sollte. Fraenk wollte eigentlich kein Sänger sein – geplant war, dass seine damalige Freundin den Gesang übernehmen sollte. Letztendlich blieb es an ihm hängen, und anfangs fühlte er sich damit noch sehr unwohl.

Die ersten Tracks entstanden wie im Fluss. Jonas kam hinzu und steuerte dem elektronischen
Grundsound eine organische E-Gitarre bei, die das Ganze rotzig macht. Die ersten Sessions brachten immer wieder neue Tracks hervor. Und da Druck beim Trio offenbar sehr hilfreich ist, um
voranzukommen, beschlossen sie, sich beim 10-jährigen Jubiläum von Tilmans das erste Mal live zu präsentieren – keine sechs Monate nach dem ersten Küchentreffen.

Der Sound von Warum Bonn? bringt die Herzkammer ins Flattern. Gerade Beats, sozusagen straight geordnet. Die Sounds werden nicht theatralisch ausgemalt, sondern bewegen sich perfekt zwischen Minimal und Maximal. Dirk schraubt als Musik-Bastler Beats und Bass mit Synths zusammen, während Jonas mit seiner E-Gitarre dem elektronischen Soundfeld einen wunderschönen Punk- Umhang umwirft. Jonas setzt die Gitarre nicht ein, um die Hörerschaft mit solistischer Virtuosität zu verwirren, sondern um den Ganzen etwas Schmutziges beizugeben.
Fraenks Vocals sind Sprechgesang, allerdings mit einer kleinen melodischen Farbe, die hängen bleibt – wie etwa bei Funktional. Er bleibt mehr in einem Lautstärkenlevel, was perfekt zu dem elektronisch gestampften Beat passt.

Das Ergebnis: Ein Sound irgendwo zwischen DAF, Techno und rotzigem Punk. Dazu sind die Lyrics in Kombination mit der Rhythmik wie ein Klebstoff, der sich im Hirn festsetzt und den Track im Kopf automatisch weiterspielen lässt.

Am 03.10.2024, dem Tag der deutschen Einheit, veröffentlichten Warum Bonn? ihre erste EP Demo mit vier Tracks. Im Januar 2025 folgte Kommt der Krieg, was ebenfalls Klebstoff-Potenzial hat. Zudem präsentiert dieser Song perfekt das Mindset von Warum Bonn?. Auf der einen Seite wird dargestellt, dass die Welt mit ihren Krisenherden und Kriegen ein sehr düsterer Ort sein kann. Auf der anderen Seite macht Fraenk in den Lyrics deutlich, dass man sich auch die kleinen schönen alltäglichen Momente bewusst machen muss – „Kommt der Krieg oder kommt er nicht? Egal nimm mich in den Arm.“

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Weitere Informationen

 

Live hat die Band noch mehr Material, das demnächst veröffentlicht wird. Zudem spielen sie sehr
interessante Cover von Tocotronic und Blitz – beides Bands, die ihre musikalische DNA mitgeprägt
haben. Ein besonderer Live-Moment war 2025 die Krachparade auf der Theresienwiese, bei dem das Trio nach dem Gig erstmal realisierte, dass sie vor mehreren Tausend Leuten gespielt und
einmal die Theresienwiese mit ihren Beats durchgeballert haben. Neben solchen Highlight-Momenten gibt es aber auch die absurden Geschichten, die die Band in ihrem Tagebuch hat.

Bei einem Gig eines befreundeten Kumpels aus der Craftbeer-Szene in Düsseldorf endete der Abend anders als geplant: Nur Jonas schaffte es ins Hotel zurück. Fraenk und Dirk verweilten noch in der „BrauArt“. Als sie aufbrechen wollten, stellte Dirk fest, dass er die Hotelkarte verloren hatte. So waren beide „gezwungen“, in der Bar auf zwei Sofas zu übernachten – umgeben von hunderten Bieren. Am nächsten Morgen zahlte Dirk an der Hotelrezeption 20 Euro für eine neue Karte – und fand die originale zehn Minuten später in seiner Jacke.

Im Gespräch kam natürlich die Frage auf: Warum Bonn? Der Name entstand ebenfalls in jener
Küche: Fraenks damalige Freundin fragte in einer nächtlichen Gesprächsrunde über Politik: „Warum war Bonn eigentlich Hauptstadt?“ – eine Frage, die Fraenk gefiel, weil man sich am Ende ja nochmal fragt: „Warum Bonn?“ Ein perfekter Aufhänger als Bandname.

Warum Bonn? verschmelzen Techno mit Punk, 80er-Vibe mit dem Staub der Bonner Republik. Sie
bringen Gegensätze zusammen: Weltuntergang vs. Alltagsmomente, deutsch geordnet vs. Schmutzige Gitarre. Wer auf deutsche Elektronik mit Punk-Attitüde steht, sollte Warum Bonn? unbedingt auf dem Radar haben – und vielleicht auch mal darüber nachdenken: „Warum eigentlich Bonn?“


Warum Bonn? > Bandcamp // Nächster Live-Gig: 19.06.2026 – Glockenbachwerkstatt München