Blind Mess

Blind Mess – 10 Jahre: Jeder Ton zählt

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An einem Dienstagabend treffe ich auf Blind Mess. Eigentlich ist der Dienstagabend bei Blind Mess der Bandprobe-Tag. Und eigentlich sollte das Treffen auch im Kreativzentrum der Band stattfinden. Aber diesmal ist es aus organisatorischen Gründen ein Wirtshaus in der Winzererstraße geworden. Ein Ort der Geselligkeit, Bodenständigkeit und des Austausches. Die entspannte Atmosphäre des Wirtshauses spiegelt die lockere Art der Band und eines wird sofort klar: Diese drei Musiker verbindet nicht nur die Musik, sondern echte Freundschaft.

Daniel (Gitarre, Vocals), Oskar (Bass) und Martin (Drums) feiern dieses Jahr ihr 10-jähriges Band-Bestehen. Ein sehr guter Grund für ein Gespräch mit Blind Mess aus München.

Seit über zehn Jahren ist die Band in der Rockszene in München unterwegs. Das Besondere dabei ist, dass das Rock-Trio seitdem in derselben Besetzung ist. Da fragt man sich natürlich, was die drei zusammenhält? Es ist klar: die Freude am gemeinsamen Spielen und Musikmachen, der Hunger, sich jeden Dienstag zu treffen und einfach Stecker rein, Klampfe umgehängt, Sticks in der Hand und los geht’s.

Es geht ihnen dabei nicht darum, zwanghaft nach Erfolg und Ruhm zu streben, sondern aus dem inneren Antrieb in ihre musikalische Welt zu versinken. Den Moment, wo es zu einem symbiotischen Zusammenspiel kommt und genau dabei Blind Mess entsteht. Nach 10 Jahren ist hier auch eine gemeinsame „Sprache“ entstanden, wodurch die drei in ihrem Zusammenspiel auch spontan miteinander agieren können und beim Verdaddeln auch schnell wieder zusammenfinden. So kann es auch durchaus passieren, dass Bassist Oskar während eines Gigs kurz auf die Toilette gegangen ist. Hierzu meinte er, dass er genau wusste, wie lange das Gitarrensolo geht, er in diesem Part am Bass sowieso nichts zu tun hat und dies mit einer Pinkelpause schnell überbrückt hat. Als er seinen Einsatz am Bass wieder hatte, war er on point wieder auf der Bühne.

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Dass sie Blind Mess heißen, ist eigentlich auch mehr durch einen Zufall entstanden. Bevor die Band so existiert, wie wir sie aktuell kennen, waren alle drei Musiker gemeinsam in der Band Rudebox. Dann verliefen sich die Wege und Daniel, Oskar und Martin sind sozusagen übrig geblieben. Was sie als Trio schnell festgestellt haben, ist, dass sie lieber härtere Sachen spielen wollen, und nannten sich „Black Mess“. Nur ein paar Monate später haben sie eine Nachricht bei Facebook von einem Tattoostudio aus Hamburg erhalten. Das Studio trug den gleichen Namen und bestand darauf, dass die Band sich umbenennen sollte. So wurde Blind Mess draus. Das Tattoostudio in Hamburg gibt es heute nicht mehr – Blind Mess schon.

Die Musik entwickelt sich in eigener Dynamik: mal durchs Jammen im Proberaum oder auch mal durch Ideen, die jemand mitbringt. Jedes Bandmitglied bringt seinen Teil an seinem Instrument mit ein – und genau dadurch entsteht volle Echtheit. Niemand kommt aus der Band mit einem fertigen Song, den die anderen einfach nachspielen müssen. Jeder bringt seinen Anteil gleichwertig in die Tracks mit rein. Es zählt jeder Ton, wie es Oskar schön beschreibt – jedes Instrument steht für sich, und sobald eines davon fehlt, geht das Blind-Mess-Rezept nicht mehr auf. Vermutlich ist das auch ein Geheimnis, wie eine Band nach 10 Jahren noch so harmonisch agieren kann. Beim Songwriting lassen sie es einfach laufen, es gibt keine feste Vision oder Richtung, wie ein Track am Ende klingen muss. Vielmehr fließen aus dem Unterbewusstsein Elemente mit ein, die von jedem Einzelnen privat gehört werden. So entstand beispielsweise 2019 ein Track, der stark an den Sound von Motörhead erinnert. Daniel baute dazu die Lyrics aus verschiedenen Motörhead-Tracks zusammen und es entstand eine Hommage an Lemmy, der im selben Jahr verstarb. Mittlerweile hat die Band 4 Alben veröffentlicht, das letzte mit dem Titel „The Storm Within“ im Jahr 2025. Dass sich eine Band innerhalb von 10 Jahren weiterentwickelt, bleibt kaum aus. Entsprechend vielfältig ist auch ihr kraftvoller Sound, der sich in den 4 Alben mitentwickelt, aber nie den Blind-Mess-Charakter verliert.

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Stoner, Hardrock, Blues, eine Prise Metal & Punk – alles fließt zusammen und formt einen rohen, ungeschliffenen Rock, der einem die Haare, sofern man welche hat, nach hinten bläst. Nichts wird erzwungen, alles darf sich entwickeln, und man schreibt sich keinem festen Genre zu. Die Drums geben sauber Gas, wollen zerschmettern, während Oskars Bass einen mit seinem Druck und den Läufen auffrisst. Die Gitarre lässt mit ordentlich verzerrtem Dampf und Powerchords eine reißende Energie lostreten. Daniels Stimme gibt den richtigen Druck zu der Soundwand, die die Band mit ihren Instrumenten aufbaut. Gerne nutzt er auch die Tricks von Herbert Grönemeyer, sagt er. Oftmals, wenn gejammt wird, lässt er die typischen grönemeyer’schen langgezogenen Laute von sich, baut daraus Melodien, füllt kleinere Lücken und nutzt es einfach, wenn ihm mal der Text nicht einfällt.

Blind Mess ist eine reine DIY-Band – sie organisieren, planen und produzieren alles mit ihren eigenen Händen und Köpfen. Diese vollkommene Unabhängigkeit gibt ihnen die volle Freiheit und eine Spielwiese, so wie es die Band für sich möchte. Eventuell ist dies auch ein Geheimnis für ein 10-jähriges Bandbestehen. Diese DIY-Mentalität zieht sich durch alles: von der Musik über die Promotion und das Booking bis hin zu den typischen Stickern, die ein Stadtbild prägen können. So hatte ich selbst das erfreuliche Erlebnis, dass ich einen Blind-Mess-Sticker einmal vor den Abbey Road Studios in London entdecken durfte.

Wer Blind Mess live erleben will, bekommt keine polierte Show, sondern 100% authentischen Rock von drei bodenständigen Typen. Auf die Frage hin, was in den 10 Jahren ein besonderer Gig der Band war, schießt Martin gleich ihren Gig im Sunny Red raus. Die Besonderheit dort ist, dass es keine Bühne gibt – man steht direkt vor dem Publikum, auf Augenhöhe. Der direkte Energieaustausch, während der Schweiß von der Decke tropfte. Aber auch Auftritte wie im Free and Easy oder beim Ois Giesing 2025 waren Highlights. Gerade Ois Giesing zeigt für die Band, wie sehr München eine Subkultur aufleben lassen kann und was für großartige Künstler*innen diese Stadt hat. Doch es braucht immer eine engagierte Organisation, die alles in die Hand nimmt, damit so etwas entstehen kann.

Das Problem, das Blind Mess in den letzten 10 Jahren beobachtet hat: Die Stadt München fokussiert sich oft mehr auf Hochkultur, während Räume für Subkultur rar werden und verloren gehen. Als sie mit der Band angefangen haben, wurde das 8 Below zu einem ihrer Wohnzimmer, in dem sie Live-Erfahrungen sammeln konnten und man als subkulturelle Band immer die Chance hatte, sich zu zeigen. Solche Orte fehlen der Stadt immer mehr, obwohl es eine große Bandszene in der Stadt gibt und hier viel Potenzial freigesetzt werden könnte. Aber ohne Orte mit einer Bühne für subkulturelle Bands wird es immer schwieriger.
Zehn Jahre Blind Mess bedeuten zehn Jahre Authentizität, Freundschaft und ehrlicher Rock. Daniel, Oskar und Martin haben sich treu geblieben – musikalisch wie menschlich. Sie zeigen, dass es möglich ist, ohne Kompromisse Musik zu machen und dabei die Freude nicht zu verlieren. Was auch immer zum Jubiläum noch kommt: Es wird echt sein, roh und direkt – genau wie die Band selbst.


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