Foto: Anne Backhaus

31. Oktober
Erobique

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Erobique ist kein Konzert im klassischen Sinn, eher ein Zustand der Bewegung. So wie früher, als man Nächte noch an der Luftfeuchtigkeit gemessen hat und am nächsten Tag trotzdem behauptete, man sei nur kurz auf ein Bier draußen gewesen. Carsten Meyer macht genau diese Sorte Musik – Disco als Live-Ereignis, mit Improvisation, Ansagen, Abzweigungen, und diesem Gefühl, dass der Song gerade erst entsteht, während er schon läuft.

Das ist auch seine Vita in einem Satz: Seit 1997 steht er unter dem Namen Erobique solo in Clubs, 1998 kam mit Erosound! ein erstes Album, das schon zeigt, wohin die Reise geht – weg vom perfekt programmierten Raster, hin zu Groove mit Persönlichkeit. Und dann Hamburg: Im Jahr 2000 zieht er dorthin und wird Teil der spätnächtlichen Elektro-Funk-Maschine International Pony, deren Debüt We Love Music 2002 erscheint – ein Stück Nullerjahre-Clubkultur, das man sofort wieder riecht, sobald die Bassline einsetzt.

Sein größter Trick ist dabei gar nicht „Hit schreiben“, sondern Stimmung bauen. Klar, Urlaub in Italien ist seit 2019 so ein Ding, das sofort Sommer in den Raum kippt, und No. 2 von 2023 ist wie ein buntes Hawaiihemd in Plattenform: warm, schräg, tanzbar, mit Gästen und kleinen Seitentüren in alle Richtungen. Aber live wird das erst richtig Erobique: Wenn er vom Disco-Brett in eine spontane Ballade kippt, wenn er Hochzeits-Oldies so zitiert, dass sie plötzlich wieder funktionieren, und wenn man merkt, wie sehr hier jemand die Monotonie der „Laptop-DJ“-Routine aufbricht, ohne den Groove zu verlieren.

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Und dann ist da noch dieser „Aha, stimmt ja“-Faktor außerhalb der Clubs: Meyer hat als Komponist auch TV- und Serienmusik gemacht – unter anderem für Tatortreiniger und Stromberg. Heißt: Selbst wer Erobique lange nicht aktiv verfolgt hat, kennt sehr wahrscheinlich trotzdem einen seiner Ohrwürmer, nur eben aus einem anderen Kontext. Zuletzt zeigt er 2025 mit Jacques Palminger auf Songs For Joy auf der Veddel, dass seine große Stärke immer dieselbe bleibt: gemeinschaftliche Freude nicht als Kitsch, sondern als Praxis. Genau deshalb funktioniert so ein Abend auch in München: Wir gehen da nicht hin, um „abzuhaken“, wir gehen hin, um uns einmal sauber durchschütteln zu lassen.


Erobique > Homepage // 31. Oktober 2026 // Alte Kongresshalle // Einlass: 19 Uhr, Beginn: 20:30 Uhr // VVK: ab 48 Euro + Gebühr