Martin Kohlstedt ist nicht der Typ Komponist, der nur Klavier spielt und fertig. Sein Ausgangspunkt ist mindestens genauso sehr der Rechner wie die Tastatur: In Weimar hat er Media Art & Design studiert, programmiert, an generativer Musik getüftelt und sich dabei so etwas wie ein modulares Vokabular gebaut, das bis heute sein Markenzeichen ist.
Das erklärt auch, warum seine Konzerte oft anders funktionieren als klassische Piano-Abende. Die Stücke sind eher Material als Denkmal: Motive tauchen auf, werden umgebaut, verdichtet, wieder freigelassen. Und sobald man weiß, dass dieser Kopf auch in Installationen denkt, passt alles zusammen: 2017 Currents als visuell-akustische Performance im eigens gebauten 360-Grad-Dom beim Reeperbahn Festival. 2019 KIUMAKO als interaktive Sound-Installation beim Burning Man, bei der Algorithmen und Publikumsverhalten die Dramaturgie mitformen, dazu ein Auftragswerk für ein Fireworks Musical in Mexiko.
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Parallel läuft bei ihm seit Jahren eine zweite Spur, die viele gar nicht auf dem Schirm haben: Musik für bewegte Bilder. Auf seiner eigenen Filmografie stehen Kurzfilme, Dokus, Animationen und Dramen, und seine Musik wurde auch ganz konkret lizenziert und eingesetzt, etwa 2023 in Breaking Point (Apple TV+) oder 2022 in Fearless: The Inside Story of The AFLW (Disney+). Das ist keine Randnotiz, sondern Teil seiner Idee: Klang nicht nur als Konzertmoment, sondern als Erzählmittel.
Und ja, natürlich gibt es auch die Platten, an denen man ihn festmachen kann: Tag von 2012 und Nacht von 2014 als Ursprung dieser Sprache, Ströme 2019 dann als großer Schritt in die Weite, entstanden in Zusammenarbeit mit dem GewandhausChor Leipzig. 2026 steht das nächste Kapitel an: Kluft erscheint am 22.05.2026.
Wer ihn live sieht, bekommt deshalb nicht einfach ein Best-of-Gefühl, sondern einen Abend, der zeigt, wie ein Werk weiter wächst.
Martin Kohlstedt > Homepage // vom 27. November auf den 07.12.2026 in die Alte Kongresshalle verschoben // Einlass: 19 Uhr, Beginn: 20 Uhr // VVK: 47,75 Euro inkl. Geb.
