Modeselektor sind für viele von uns der Soundtrack einer ganz bestimmten Zeit: als Berlin in den frühen 2000er noch ein wenig nach Improvisation roch, Nächte länger waren als Pläne, und als elektronische Musik einfach so passierte. Diese Mischung aus Neugier, Humor und kontrolliertem Chaos haben Gernot Bronsert und Sebastian Szary seit Mitte der 90er kultiviert – immer ein bisschen zu schräg für reinen Techno, immer zu druckvoll für reines Kopfkino.
Der Karrierebogen liest sich wie ein Wechselstromkabel zwischen Untergrund und Popkultur: 2005 das unorthodoxe Hello Mom!, 2007 Happy Birthday! als Platte, die gleichzeitig grob und präzise sein kann, 2009 dann der Schritt in die eigene Welt mit Monkeytown Records, 2011 Monkeytown als Statement, dass sie auch Album können – nicht nur Nacht. Und zwischendrin diese Nebenstraße namens Moderat, die ab 2009 mit Apparat gezeigt hat, wie groß und emotional Clubmusik klingen kann, ohne sich anzubiedern.
Jetzt wird’s besonders interessant, weil sie nicht „Best of“ machen, sondern eher „Best of, aber einmal durch den Fleischwolf und wieder zusammengesetzt“. Am 6. März 2026 erscheint Classics Vol. 01: ursprünglich als Neuaufnahme-Idee aus den frühen Jahren gedacht, am Ende eher eine frische Sammlung, die den Geist von damals atmet, ohne in Nostalgie stehen zu bleiben. Dazu passt auch, dass sie 2025 mit DJ-Kicks wieder so ein Kurations-Statement hingelegt haben – als würden sie einmal sauber zeigen, wie ihr Kopf heute klingt.
Classics Live 2026 in München heißt dann: Wir bekommen nicht einfach Tracks abgespult, sondern dieses typische Modeselektor-Gefühl von Live-Maschine, Timing, Überraschung, Bass als Argument. Ein Abend für alle, die früher gelernt haben, dass man zu guter Musik nicht „nett wippt“, sondern irgendwann plötzlich grinst – und losläuft, ohne zu wissen wohin.
Modeselektor > Homepage // 17. April 2026 // Muffathalle // Einlass: 19 Uhr, Beginn: 20 Uhr // VVK: ab 47 Euro inkl. Geb.
