Foto: Volk Verlag

Gelesen: Münchens magische Mauern

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Frischer Blick auf alte Mauern. München macht es einem wirklich leicht, es schön zu finden. Beeindruckende Fassaden, einladende Parks, prachtvolle Straßen oder gemütliche Gassen – und das alles im Idealfall unter weißblauem Himmel. Aber oft schaut man das, was einen täglich umgibt, gar nicht mehr genau an. Da lohnt es sich immer, die Perspektive zu wechseln, den Blick zu schärfen und so charmante Neuentdeckungen zu machen. Dabei hilft nun der Bildband Münchens magische Mauern. Fotograf Achim Frank Schmidt, Journalistin Kathrin Braun und Kulturredakteur Tim Brügmann geben in glanzvollen Bildern und sympathisch-informativen Texten ungewohnte Einblicke in ihre Heimatstadt.

26 Münchner Gebäude werden liebevoll porträtiert. Unter den „magischen Mauern“ tummeln sich einige wohlbekannte Prunkbauten wie das Maximilianeum, die Allerheiligen-Hofkirche oder Schloss Nymphenburg. Aber auch Underdogs wie das Pathologische Institut der Münchner Klinik Schwabing, die Zisterne am Hirschgarten oder das Umspannwerk Hirschau finden ihren Platz. Gemeinsam ist allen Porträts die außergewöhnliche Perspektive. Die Fotos zeigen unbekanntere Seiten der ehrwürdigen Gemäuer, spielen mit Licht und Schatten und unverhofften Ausblicken. Die Kurztexte erzählen die Geschichte des jeweiligen Ortes aus sehr persönlicher Perspektive, nämlich anhand von Menschen, welche die Gebäude hegen, pflegen und mit Leben füllen.

Der imposante Justizpalast mit seinem erhabenen Kuppelbau, gelegen zwischen Hauptbahnhof und Stachus, ist in München wohlbekannt. Innen entspinnt sich ein Netz von mehr als 500 Räumen, die Ebenen verbinden unzählige filigran verzierte Treppen. Seit 23 Jahren ist Martin Seebauer hier als Hausmeister tätig, er ist der Herr der Schlüssel. Noch heute kommt er ins Schwärmen, wenn er von seinen Anfängen im Justizpalast erzählt und von der schier unlösbar scheinenden Aufgabe, sich um alle Ecken und Winkel zu kümmern. Erst im letzten Jahr hat er tatsächlich noch ein neues Kammerl entdeckt. Es sind Geschichten wie diese, die den Charme des Buches ausmachen.

An Angeber-Bauten wie der Staatskanzlei, Bayerns politischem Herz, nebst symmetrisch angelegtem Hofgarten kommt natürlich keine München-Schau vorbei. Mit penibler Perfektion wird hier alles herausgeputzt. Da tut zur Abwechslung ein Blick auf das Heizkraftwerk in Aubing gut. Seit mehr als 60 Jahren dient es nicht mehr seinem eigentlichen Zweck, heute erzählen seine Ziegelwände von illegalen Partys und zeigen, dass München auch ein bisschen shabby kann. Es ist zudem ein gutes Beispiel, dass es sich bei den Porträts um eine Momentaufnahme handelt. Die magischen Mauern verändern ihre Bestimmung und passen sich den Bedürfnissen der Stadt an. Das ehemalige Heizkraftwerk wandelt sich gerade mit großem Aufwand zu einem neuen Ort für Kunst und Kultur.

Seiner Bestimmung treu bleibt dagegen die Ost-West-Friedenskirche am Spiridon-Louis-Ring 100. Der Schwarzbau von Väterchen Timofei offenbart einen bunten Mix aus Teppichen, Heiligenbildern, mit Stanniolpapier verkleideten Wänden und wilden Trockenblumen-Arrangements. Die üppige Deko innen trifft außen auf Obstbäume und Sträucher. Die einzigartige Oase am Rande des Olympiaparks bewies Ende der 1960er Jahre Standhaftigkeit. Da sollte die Kirche nämlich den nahenden Olympischen Spielen weichen. Das wussten die Münchner glücklicherweise zu verhindern.

Die „magischen Mauern“ begleiten das Münchner Leben, egal ob man im imposanten Müllerschen Volksbad seine Bahnen zieht, mit der U-Bahn am stylischen Halt Westfriedhof landet oder in der grandiosen Juristischen Bibliothek studiert. All diese Orte sind nun auf einzigartige Weise festgehalten. Münchens magische Mauern ist eine Liebeserklärung an die Stadt und die Einladung, sie noch einmal neu zu erkunden. 


Gelesen: Münchens magische Mauern (Kathrin Braun, Tim Brügmann, Frank Achim Schmidt) // Volk Verlag // Hardcover, 176 Seiten, opulent bebildert // 29,90 EUR // VÖ: 01. Oktober 2022 > Homepage